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2012 is the... [Die Spektakularisierung aktivistischer Kunst (Recherche)]
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2012 is the season for treason
"critical reflections on Berlin Biennale 7"
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diese recherche ist noch in ständiger arbeit, ...   im prozess und verändert sich nach gegebenheiten. die derzeit letzte version ist vom 03.05.:

DIE SPEKTAKULARISIERUNG AKTIVISTISCHER KUNST

INDEX:

Ø  Allgemeine Erklärung des Begriffs:  Querfrontstrategie:

A.    Einleitung: (Moskau)

Ø  Media Impact
Ø  Boykottaufruf Voina
Ø  Urheberrecht / Kollektive
Ø  Negierung des Kunstparcourt (Biennale Moskau) durch Voina

B.  Nominierung von Voina als Kuratoren für BB7

Ø  Recherche Voina (Hintergründe /Umfeld)
Ø  Personenkult / Heroisierung
Ø  Hierarchische Struktur / Autoritarismus
Ø  Popularisierung als Opfer / Märtyrersyndrom
Ø  Popularisierung durch skandalöse Aktionen bis hin zu bellizistischen Manifesten
Ø  Futuristisch träumerische Verblendung
Ø  Aktionsformen und Nähe zur NBP (National Bloschewistische Partei Russlands) & Strategie31

C.   Recherche Biennale – Kuratoren

Ø  Jael Bartana´s werk – JRmiP
Ø  Occupy -Bewegung:
Ø  Unterstützung von Bewegungen wie die zur Finanzierung der Restauration des Nürnberger Parteitagsgeländes
Ø  Art-wiki:
Ø  Deutschland schafft es ab:
Ø  Pussy Riot:
Ø  Kooperationspartner / Sponsoring:
Ø  Otpor:
Ø  Polaris International  >>>  Vorgeschichte
Ø  Fallschirmspringer kommen meist von oben!

Konzept – Bewerbung
Ø  Aufruf politische Kunst (alle pol. Richtungen)
Ø  Zmijewski (kuratorische Arbeit / Hintergründe)

D.   Biennale Aufruf  von Matin Zet: „Deutschland schafft es ab“ ( Sarrazin Buch)

Ø  Polemik / Aufmerksamkeit / Medialer Impact (Inszenierung)
Ø  Politischer Diskurs vs. Spektakel
Ø  Primäres Interesse / Fokussierung      
Ø  Instrumentalisierung
Ø   Morddrohungen und andere Arbeitsverhältnisse
Ø  Konsequenzen
Ø  Aufruf zur Stellungnahme


ANNEXE:

Fragenkatalog von Otto Karl Kamal an Voina

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Die Spektakularisierung aktivistischer Kunst     
Oder : the Querfront Troyans 

Allgemeine Erklärung der Begriffe:  

Querfront: 
„Der Begriff Querfront bezeichnet eine rechtsextreme Bündnisstrategie, die Gemeinsamkeiten zwischen den politischen Lagern betont oder zu konstruieren versucht, mit dem Ziel, die politische Macht eines Nationalstaats zu übernehmen. Er wurde zu Beginn der 1930er Jahre in der Weimarer Republik geprägt. Derzeit gibt es zwei rechtsextreme Gruppierungen, die Querfrontstrategien aufgreifen: die Nationalrevolutionäre und die Autonomen Nationalisten.“

*http://de.wikipedia.org/wiki/Querfront  
*http://www.freitag.de/community/blogs/bememabel/querfront-der-diskrete-charme-des-kryptofaschismus

Querfrontstrategie:
als solche versteht man: Die systematische Anwendung von Begriffen, Symbolik, und Artefakten von totalitären, faschistischen oder faschistoiden Bewegungen in Zusammenhang mit linkem, sozial(istisch)em Gedankengut und dessen Versuch einer „Vermarktung“ (im (weitesten) kommerziellen Sinn). Dies dient explizit dazu die eigentlichen Grundideen eines autoritären (totalitären) Betriebsystems.

Dies bedeutet zum Beispiel wenn man durch eine antirassistische Idee(Deutschland schafft es ab), mit SA –Rhetorik (Buchsammelaktion) ,Wasser auf die Mühlen des Versuchs lenkt, die rassistische Position á la Sarrazin, als Opferposition darzustellen, welche man zwar als rassistisch wahrnimmt, jetzt aber gegen ein vermeintlich viel schlimmeres Übel und diskriminierendes Moment, wie es eine Bücherverbrennung ist, in demokratischen Schutz nehmen muss.



>• A • Einleitung: (Moskau)

Media Impact 
September 2011, während der Aufbauarbeiten der „Media Impact“ Ausstellung zur 4. Biennale Moskau erreicht alle Aktivisten eine Brandmail von der Gruppe "Voina" zum Boykottaufruf der Biennale.  Sie seien als Mitglieder aufgelistet, aber nicht eingeladen worden und das präsentierte Material sei von Agenten des Geheimdienstes gestohlen worden, also nicht rechtens verwendbar und die Kuratoren sind ebenfalls, (zumindest von) Agenten (bestellt) und die Teilnehmer allesamt Marionetten des Putinsystems, die lediglich auf Karriere aus sind. 
Jepp … merci auch …  war die erste Ladung an Austausch, mit der ich mich zum ersten Mal nach Osten wagte  ...  Ist natürlich alles Bullshit gewesen, aber ihre mediale Kampagne hat wohl erst einmal geklappt! … bis … 
zur Erklärung: die Voina Gruppe ist kurz nach dem" ruhmreichen Phallus" auseinander gegangen (2009) und hat sich (inoffiziell) in zwei Fraktionen aufgeteilt die St. Petersburger Fraktion unter Vorotnikow, Sokol, Pluster Sarno, etc. und die Moskauer Fraktion unter Pyotr Verzilov und Nadezhda Tolonnikova (Pussy Riot). Beide Fraktionen bestehen als Mitgründer der Gruppe auf den Namen ... also eine reine Künstler-Ego Geschichte, sprich juristisch eine banale Copyright Sache, die hier medial als der ehrenhafte Kampf gegen die Korruption umgemünzt und instrumentalisiert wurde!
*http://www.galleristny.com/2011/09/clarifying-the-conflict-between-russian-art-group-voina-and-the-moscow-biennale/    

Boykottaufruf Voina
Es haben sich viele von uns Teilnehmenden mit dem Aufruf solidarisiert (Kavecs projects, Yes-men, und eine Reihe russischer Kolleg_innen) zumindest anfangs, bis sie dann merkten, dass sie für diese internen Zwecke instrumentalisiert wurden. So zum Beispiel habe ich den Briefwechsel zwischen Voina und Kostas von Kavecs gelesen und was die nachher daraus veröffentlicht haben ist echt eine 180° Piruette, bestehend aus, aus dem Kontext gerissenen Satzbausteinen, die für Propagandazwecke neu konfiguriert wurden ( nicht gerade die feine russische Art). Auch gegen Tania Volkova, Anna Dikovic, Roman Minaev und Arseniy Sergeev das Kuratorenteam, sind sie mit einer Diffamationskampagne angegangen. Es wurde der Vorwurf erhoben, sie seien Agent des Geheimdienstes im Kulturministerium, dabei haben sie mit den Ministerien überhaupt nichts zu tun. (klar hat die Volkova, Mist gebaut, so was wie diese Namengeschichten darf dir als Kuratorin auf keinen Fall passieren, …  aber dann gleich die Verschwörungskeule zu schwingen?!)

Also als Aktivist ist klar dass Desinformation und Manipulation von Medien ein Werkzeug ist, aber es gegen die eigenen Leute einzusetzen auf so offensichtlich, mutwillige Weise, für niedere, egoistische Animositäten, ist schon ein Hammer ... Zusätzlich diskreditiert das doch die Arbeit  aller anderen Kunstaktivisten ... dachte dann aber auch o.k. ist halt deren Eigenart sich mitzuteilen, russische Aktivisten halt! 

Selbstverständlich haben sie den ganzen Biennale Kunstapparat kritisiert einschließlich des Hauptkurators Peter Weibel. Sie versicherten, dass so ein Format wie eine Biennale von ihnen niemals bespielt würde und wir anderen sind geltungssüchtige, junge Künstler die sich durch diese Teilnahme lediglich Ruhm und Ehre erhoffen ... usw, usf, aber sie stehen natürlich über dem gesamten Kunstparcourt und leisten sich sogar einen Boykott der korrupten Biennale ... was für Helden … 
http://en.free-voina.org/post/10326186774 

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http://fotki.yandex.ru/users/riotstarter2011/view/457503?page=8 

Urheberrecht / Kollektive
Es wurde den Kuratoren vorgeworfen dass sie authentische Arbeiten gestohlen hätte, welche man zusammen mit Fakearbeiten von der Gruppe ausstellen würde. Zwei Dinge die nichts anderes als eine vorgeschobene Propaganda waren, für ein tiefgreifenderes Problem, nämlich das der Rechte am Namen bei Spaltung der Gruppe in zwei  feindselige, vermutlich gegeneinander agierender Fraktionen. Es geht um die Hoheit, die Hegemoniale innerhalb der Gruppe, eine durch und durch autoritäre Haltung, gepaart mit Elitismus und künstlermythischer Animosität, sind meiner Meinung nach die eigentlichen Beweggründe zum Boykottaufruf. Im Grunde ein rein bürokratischer Akt, ein Statement zu tradierten Rollenverteilungen, welche sie vorgeben zu bekämpfen. Eines von vielen Paradoxon die bei genauerem betrachten der Gruppe sichtbar werden. Hier wird etwas vorgegeben, was als Vorwand dient,  genau dem eigenen karrieristischen Vorteil zuzuarbeiten, eine Posse als das Opfer, welches aus der eigenen Position heraus, der bedingungslosen Einhaltung der eigenen Ideale, resultiert. Sprich, weil man sich in die Illegalität abgesetzt hat, ist es nun nicht mehr möglich gegen den Raub der Identität und sogar den Raub eigener Werke vorzugehen. Als mir die wirklichen Sachverhalte dieser ganzen Kampagne bewusst wurden, kam mir ein altes Lied der Gruppe SLIME in den Kopf welches ich schon lange nicht mehr bewusst abgerufen hatte und eigentlich auch nicht so wollte:
http://www.youtube.com/watch?v=_4LfAdDNeqA
(Slime 80er Jahre Punkband http://de.wikipedia.org/wiki/Slime_(Band)

Negierung des Kunstparcourt (Biennale Moskau) durch Voina
“(…)We would refuse any such offer from corrupt art bureaucrats (…)” (http://en.free-voina.org/post/10326186774)
Ich habe denen das damals voll abgenommen und wenn ich mich auch nicht vom Boykott überzeugt fühlte und auch die Sache skeptisch aus einem anderen Winkel betrachtete, was sich ja heute mehr als bestätigt hat, war ich echt überzeugt davon dass die Voinas ihre propagierte, anarchische Underground – Posse als Maxime sehen, umso erstaunter war ich, als ich einige Wochen später lesen musste, dass Voina sich nicht nur an einer staatlich gelenkten, finanzierten und kontrollierten Biennale künstlerisch beteiligt, sondern auch noch das Ganze als Kuratoren ideologisch stützen! So kann man sich irren wenn man einseitige Statements als die unhinterfragte Wahrheit akzeptiert. 



>• B • Nominierung von Voina als Kuratoren für BB7

Diese erneute radikale Kehrtwendung hat mich dann doch aufschrecken lassen. Ganz ehrlich gesagt hatte ich im ersten Moment den Eindruck, dass es sich um einen Druckfehler handeln muss. Als ich dann jedoch die Texte, Statements und Bilder auf der Homepage der Berlin Biennale las und sah war mir klar, dass das alles ein weiterer gut durchdachter PR-Coup sein muss, um der Gruppe zu helfen, ein paar weitere Schritte auf der Karriereleiter hochzuklettern. Das Ganze hat mich ja schon sehr nachdenklich gemacht und die Maschine in meinem Schädel wollte nicht mehr aufhören zu rattern, ich versuchte über die Statements herauszufinden was die ganze Geschichte auf sich hat, konnte aber nicht begreifen wie die Argumentation für solch eine Wandlung zu Stande kam. 
Wie in manch einer Situation vorher auch, wenn ich vor schier nicht fassbaren Phänomenen in Kunst, Politik und Gesellschaft stehe, entschied ich mich eine ausgiebige Recherche anzugehen. Ich fing bei der Geschichte der Gruppe an, analysierte ihre Referenzen und ihr Umfeld, ihre Werke und die Mitglieder und was ich herausfand, ergibt ein rundes Bild an paradoxen Aussagen und Positionierungen, welche den Anspruch auf einen revolutionären, verträumten, anarchistischen, Absolutismus proklamieren, aber nicht viel mehr als einen ideologischen Dünnpfiff hervorbringen.
Im Zuge der Recherche viel mir auch die (ideologische) Nähe zum Hauptkurator Artur Zmijewski auf, der schließlich den Weg für seine Co-Kuratoren geebnet hat. Die Analyse von Zmijewski und seiner Arbeit habe ich dann intensiviert, nachdem die Debatte um die Arbeit von Matin Zet sich wie ein Nebel über die ursprüngliche Absichten des Künstlers, nämlich den Rassismus in diesem Land zu thematisieren, legte.
Zmijewski hat zwar im Gegensatz zur Voina Gruppe die Fähigkeit seine Arbeit zu theoretisieren und auch diskursiv zu präsentieren, jedoch ist auch hier die Absicht, nicht wirklich politische Themen zu diskutieren, sondern lediglich die politischen Themen einer Polemisierung und Skandalisierung mittels der Kunst zu unterziehen, um die Aufmerksamkeit auf sich als der elitäre, etwas mehr, als andere Künstler Wagende, zu ziehen. In seinem (ersten Biennale) Interview, bei seiner Co-Kuratorin Warzswa in Auftrag gegeben (schließlich soll Biennale-Kunst ja als Dialog aussehen!) streitet er diese Position ja nicht einmal ab. 

Recherche Voina (Hintergründe /Umfeld)
Personenkult / Heroisierung
Also wenn wir bei Null anfangen kommen wir schon zum ersten komischen Baustein dieser Recherche. Die sich als Kollektiv, von (mittlerweile) mehr als hundert Leuten ausgebende Gruppe wurde 2005 gegründet. Der Name Voina bedeutet auf Deutsch „Krieg“ und hat zum Zweck, die kämpferische Haltung der Aktivisten gegenüber dem Putin-Regime zu unterstreichen. Es ist eine Metapher für ihr Programm. Sich Kampfnamen zu geben scheint eine Art russische Tradition zu sein, eine von vielen, denen sich die Gruppe wohl verpflichtet fühlt. Dazu kann man stehen wie man will, eine Legitimität abstreiten möchte jedoch niemand. Das einzige was an diese Sache verwundert ist, dass dieser Name ganz klaren Bezug zum Chef der Gruppe hat. Nach eigenen Aussagen kommt „WAR“ von der Abkürzung, der ersten drei Buchstaben des Namen Vorotnikow (=Vor). Man fragt sich soll hier jetzt eine Art Ehrung des Anführers im Vordergrund stehen oder sollen alle seine Mitglieder in einen gemeinsamen Krieg gegen die Autoritäten geführt werden. Also hat man hier, über die Heroisierung einer Führerfigur, die Mitglieder in einen Bund hierarchischer Abhängigkeit gedrängt, ohne dass dies auf den ersten Blick klar wird: Die Gruppe Voina ist demnach, die „kriegerische Truppe von Vorotnikow“. Dazu fallen mir folgende Schlagwörter ein: Militaristische Denkstruktur, Elitarisierung (sie verstehen sich als die einzig wahre zeitgenössische, russische Avantgarde) und Autoritarismus mit romantizistischen Historienvergleichen gepaart wie dem, mit den Dekabristen (= Adelige Militärs, dem Zar aufsässig gewordene Verfechter einer konstitutionellen Monarchie). 
Untersucht man die Fotos und Statements vom Boss und wie er sich in der Öffentlichkeit präsentiert, so wird schnell klar wer das Zepter in der Hand hat. Unter kollektiver Arbeit versteht man meiner Meinung nach etwas anderes.

„Creation of Russian national actual art, without outmodedness and provinciality, and which provokes admiration of intellectuals all over the world.” “Rebirth of heroical behavioral ideals of an artist-intellectual, in a manner of Russian libertarian decemberism. Creation of image of artist as romantic hero, who prevail over the evil.”  “It is mean language, which is adequate for today’s cultural and socio-political context, which is can show actual of the new epoch, which have no analogues in the past.” 

Hierarchische Struktur / Autoritarismus
“Organization type: militant gang, dominated by horizontal ties in everyday life and employing vertical relationships during actions.” (Manifest Voina: http://de.free-voina.org/about)
Um den Anschein eines “anarchistischen Künstlerkollektivs“ zu wahren, wird hier auf der Homepage gesagt, dass horizontale Verhältnisse den Alltag dominieren, dies aber jedoch im gleichen Satz relativiert wird und von vertikalen Hierarchien während der Aktionen gesprochen wird. Ich gehe mal stark davon aus, dass der Schwerpunkt der Gruppe auf ihren Aktionen liegt, das ist ihre Arbeit, bei der die Befehlsgewalt von oben nach unten ausgeübt wird, mit anderen Worten handelt es sich hierbei um eine fast schon paramilitärische Befehlsstruktur. 
Als Künstleraktivist möchte ich in einer solchen oder ähnlich strukturierten Gruppe bestimmt nicht arbeiten, mein Verständnis von Kunst und Aktivismus ist doch ein grundlegend anderes, eines in dem basisdemokratische Ideen eben nicht nur in irgendwelchen träumerischen Manifesten stehen, sondern bei der Umsetzung der Arbeit auch angewandt werden! Alles andere ist Verblendung.
Die hinzukommende, chauvinistische Profilierung dieser Gruppe möchte ich hier auch nur am Rande erwähnen. Hier wird ein Familienbild der Gruppe erzeugt, das dem des vorletzten Jahrhunderts entspricht und durch und durch kleinbürgerlich ist, der Vater ist für die ideologische (und biologische Erhaltung) Ausrichtung der Familie zuständig, die Mutter für die Erziehung der Kinder und die Organisation des Haushaltes. 
Die Erziehung ihrer Kinder ist jeder selbst überlassen, aber die Kleinen dem Staatsterror auszusetzen und danach die Wunden der Kleinen zu instrumentalisieren, zum ruhmreichen Kampf gegen das  System ist echt unter aller Sau. Die Kids sollen bei Aktionen dabei sein und auch davon lernen, aber wenn ihre (äusseren) Wunden als Argument für den Kampf eingefleischt werden schüttelt es mich ein wenig mehr, als mit dem ersten morgendlichen Frost. 

Viele der Aktionen haben sexistische Komponenten, einige sind sogar rein sexistisch angelegt um Aufsehen zu erregen. Dar Phallus als Allheilmittel für politische Statements ist Leitmotiv der Bildsprache der Gruppe (sie hätte sich auch ohne Probleme stattdessen: die Gruppe „Schwanz“ (xuj) nennen können). Das kann man ja mal machen und so auch anwenden (fast alle Kunstaktivisten haben auch sexuelle Provokationen im Repertoire), aber daraus eine Tugend zu machen ist bestimmt eine rein, der Gruppe eigene Herangehensweise. Die Aktion „how to snatch a chicken“ ist eine Frauen denigrierende, um des Spektakels wegen, inszenierte Aktion und spricht für sich.  

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(Frisch aus Russland - „Maskulinisten aller Länder vereingt Euch!“ Okk- pic-frame 25.04.2012)  

Popularisierung als Opfer / Märtyrersyndrom
Das Riesenplakat auf dem Vorotnikow´s Konterfeit hinter Gitterstäben zu sehen ist, welches als Symbol des Kampfes auf Tournee um die Welt geschickt wurde, ist schon wieder eine seltsame Symbolik, da fragt man sich geht´s immer nur um Vorotnikow als Heldenfigur, oder die Einsitzenden von Voina, oder um die hunderte politische Gefangenen in Russlands Knästen, für die sie vorgeben zu kämpfen. Wieso nimmt man nicht das Konterfeit der Osipova, die wirklich einsitzt und de ein mehr als hartes Schicksal zu erwarten hat, oder irgendeinen anderen ihrer „Kameraden“?  Es muss wohl eine Märtyrerstilisierung ihres Caudillo sein, sonst werden sie ihrer Öffentlichkeitsmaxime: “Aufmerksamkeit um jeden Preis“ nicht gerecht. 

Popularisierung durch skandalöse Aktionen bis hin zu bellizistischen Manifesten 
Der niedergebrannte Polizeitransporter deklariert als Neujahrsgeschenk für die politischen Gefangenen ist wahrscheinlich ebenso in die Kategorie “Aufmerksamkeit um jeden Preis“ einzuordnen. Das Fass um die Diskussion wie weit politischer und ziviler Widerstand gehen darf/kann, möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst aufmachen. Diese Diskussionen sind schon oft in der Szene geführt worden und das was ich als Konsens dazu kenne ist die dünne, aber doch markante Linie zwischen Aktionismus des zivilen Ungehorsam und militanter (paramilitärischer) Guerillaaktion. Wenn ich mich schon dazu entscheide wirklich militärisch (sprich reelle Gewalt gegen Personen und/oder Dinge) zu agieren, dann sollte ich schon die Größe besitzen dazu zu stehen und den bewaffneten Kampf als Maxime auch deutlich machen. Hier wird sich hinter der Kultur oder Kunst versteckt, ja sie wird als Schutzschild benutzt um der eigenen Geltungssüchtigkeit wieder einmal ein Geschenk zu machen, denn als Geschenk haben sie es schließlich ausgegeben! Diese Pappnasen sind so verblendet und in ihre eigenen Egos verschossen, daß sie nicht einmal merken wie sie die eigenen Leute, deren Arbeit und die Grundwerte (vieler Künstler-Aktivisten) nicht nur mit Füssen treten, sondern auch gefährden. Also wäre ich ein hochrangiger Geheimdienstchef, irgendeines Dienstes (in diesem Fall national oder international) würde ich genau solche Gruppen erschaffen, oder wenn sie denn schon existierten, diese leidenschaftlich unterstützen, um dann mit dem Vorwand der „latenten Staatsgefährdung“ noch härter gegen alle politischen oder künstlerischen Aktivisten vorgehen zu können. In ihrer Selbstverliebtheit merken sie noch nicht einmal welchem Herrn sie wahrscheinlich dienen. Hätte sich das Büro so eine geleistet, wären wir schon durchgekloppt, eigelocht und  wohl vielleicht mit Berufsverbot(? Ok 1 joke!) belegt worden. 

Futuristisch träumerische Verblendung
“Creating of real left front of art in Russia in traditions of futurism of 1920 years, which is radically shift all ideological poles by the facts of its being”
Die Frage einer reellen politischen Positionierung ist wirklich in den Raum geworfen, wenn es um die (verschobenen) Aussagen geht, die von der Gruppe in Bezug auf die Verschiebung von ideologischen Polen aufgebacht wird. Es ist mehr (anti)philosophischer Schwachsinn verbreitet, als Handlung pragmatisch nötig sein müsste, wenn man behauptet, dass es möglich sei linke Politik und Aktion zu generieren und anzuführen, mit der man die politischen Pole verschiebe! Wollt ihr die Faschisten links machen oder aus den Nicht-Rechten und Nicht-Konservativen reaktionäre Elemente generieren? Sorry aber ich denke, dass Mayakowski nach seinen Erfahrungen mit „(pseudo)linkem“ Faschismus während der Sowjetunion der 30er Jahre (und seinen nationalistisch-sozialistischen Auswüchsen unter dem roten Zaren), den „Voina“ mal gehörig in deren Ärsche treten würde, wenn er noch am Leben wäre, und zwar mit Inbrunst. Da spricht doch auch wieder nicht mehr, als die Stimme, der reinen Lust an der Provokation auch der eigenen Gefolgschaft! 
“[…] war with socio-political obscurantism and ultra-right reaction[…]” 
????  -sind wir jetzt autoreferenziell  -  ???? 

Aktionsformen und Nähe zur NBP (National Bloschewistische Partei Russlands) & Strategie31 
Die aktionistische Geschenkidee des Neujahrs war ja mehreren weggesperrten Aktivisten gewidmet, die meisten von ihnen waren Limonov-Getreue, von der semi-faschistischen Nationalbloschewistischen Partei oder vom „Menschenrechtsaktivistenkreis“ der Strategie31 (die sich auf den Paragrafen Nr. 31 der Russischen Verfassung beruft, der Versammlungsfreiheit verspricht). 

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Diese Gruppierungen bezeichnen sich als links wenden jedoch auch, wie unsere Analysierten, stramme Hierarchien an und bewegen sich auf einem diffusen Feld zwischen faschistoiden Nationalverheißungen und anarchistischem Revolutionsgehabe. (eine schlechte Mischung zwischen Bakunin und Schirinowski) 

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Andere sind dem extremistischem Lager zuzuordnen wie zum Beispiel Aktivisten aus dem Kreis der 325: http://325.nostate.net/?p=2095, die nicht nur in Griechenland auch zu bewaffneten Angriffen auf Polizisten und Mord aufrufen (der Kampf kann nicht der Krieg gegen die Polizei sein, dieses Absurdum haben die Handlangerschergen und verbrannten Genossen der RAF und anderer asymmetrisch, agierender Guerillagruppen mehr als zu genüge gezeigt), und der Formierung paramilitärischer, anarchistischer Gruppen zuarbeiten, sondern auch den gesamten aktivistischen Kampf pazifistischen Widerstands neutralisieren. Die sind wohlweißlich weder links, noch faschistisch (oder beides!), aber trotzdem auch potenzielles Klientel der Waffenindustrie im Namen des antikapitalistischen Widerstands! Noch ein absurdum der revolutionären Ideen.
Eine andere Person, welche auf dieser Liste figuriert, ist auch nicht gerade die Leitfigur eines revolutionären Anarchismus, nämlich Chodorowski, der Ölmagnat! 
Also wie man sieht ist hier bis auf ein paar Ausnahmen der Schwerpunkt bei Getreuen von Limonov (eine Art russischer Mahler) gelegen. Was natürlich bedeutet, dass da nationale Gedanken und Anarchismus miteinander zu einem politischen Cocktail vermengt werden, den am Schluss keiner zu schlucken vermag. 

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"Vor" giving bohemian statement playing with the russian flag  … … …     

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Aus "BB7_2012Affairs-Memory Game" (A Memory exercise about Berlin Biennale Contradictions - Exhibiton - Research)

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Vor giving a conference with Lenin Statue under a Stalin Portrait

In einem Fragenkatalog (komplette Fragen und Antworten - siehe Anhang), welchen wir der Gruppe Voina mit der Bitte um Antworten zusandten, beriefen wir uns auch auf die offensichtliche Nähe der Gruppe zur Nationalbolschewistischen Bewegung. Wir wollten wissen wie sie zu den politischen Standpunkten der Bewegung stehen und wie sie sich selbst darin positionieren. Die Antwort fiel überraschend dünn aus. Ich dachte ehrlich wir hätten es mit einem politischen Schwergewicht zu tun, wenn wir uns mit dem einflussreichsten Künstlerkollektiv „Voina“ aus Russland befassen, aber der Schein trügt: 
„[…] None of Voina activists is in Limonov’s party, so you should ask questions about their views to them – not to us: we are not experts in this issue.”  (Pluster Sarno´s Antwort auf Otto Kamal´s Fragen)
Plutser-Sarno, der Medienmann der Gruppe, der unser Kommunikationspartner war teilte nur kurz mit, daß keiner der Künstler Mitglied der Limonov-Partei sei und dass sie mit der Bewegung wenig, zu tun haben und keine Experten im Thema sind, wir sollen uns doch bitte an die Partei wenden für weitere Fragen. 
Ein wahrhaftiger Komödiant dieser Alexej Plutser Sarno: explizit politische Künstler, die als Nazbol –Sympathisanten bekannt sind (auf dem Blog existiert eine Rubrik NAZBOL-ART!), leugnen die Zugehörigkeit zu ihrer „politischen Heimat“ und geben sich als Dilettanten für politische Fragen, in Bezug auf russische Widerstandsbewegungen aus. Haben die Angst sich zu outen …? … und wenn ja dann wissen sie wohl um den Stand der Dinge, innerhalb der Nationalbolschewistischen Querfront-Positionen, so dass sie nicht damit in Verbindung gebracht werden wollen?.!  Voina als Judas ihrer politischen Kaste – das hat ja im Repertoire der Kunstgruselgeschichten noch gefehlt, … danke Jungs für die tolle Unterhaltung!!! 



>• C •  Recherche Biennale - Kuratoren

Alle diese komischen Gegebenheiten und die Tatsache, dass außer einem von Plutser-Sarno verfassten Band : „Das große Wörterbuch der MAT (dt.=Schimpfwörter)“, in dem es um so ziemlich Alles philologische um die Wörter „ Fotze“, „Ficken“, „Schwanz“ & Co. geht, nichts wirklich politisch interessantes zu Tage tritt, was die Gruppe als tiefgreifend gesellschaftspolitische Mitdenker ausweisen könnte.

„Hier ist eine Webseite über russisches, wissenschaftliches, obszönes Vokabular, Phraseologie der russischen Umgangssprache und Wörterbüchern. […]Sehr geehrte Damen und Minderjährige besser ist (es), den Platz zu verlassen, weil russische Folklore obszöne Sprache enthält.[…] (Einleitung website plutser sarno: http://plutser.ru/)


Ein Blick auf die Website genügt um die Einstellung gegenüber der Rolle der Frau einschätzen zu können. Seine Einleitung erfasst sofort zwei exkludierte Randgruppen: Frauen und Kinder! Zu so viel chauvinistischem Manifest braucht man gar nicht mehr weiterarbeiten, erklärt sich vieles von selbst. 
Alles was ich über die Gruppe an politisch fundierter Arbeit (sprich:Theorie) suchte, reduzierte sich, bis auf ein paar in der Website niedergeschriebenen Statements, gegen null. Also fing ich an mehr in Richtung Biennale zu recherchieren.  

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Die umstrittenen Herangehensweisen von „Maskulinist“  Zmijewski, (http://www.exberliner.com/articles/agitprop-on-linienstrasse) wo mit kognitiver Dissonanz mittels Kunst ganz gezielt gearbeitet wird und politisch - ideologische Impulse ausgenutzt und durch symbolisch – visuelle Verzerrungen so gut wie neutralisiert werden, hat auch mich neugierig gemacht.
http://www.nytimes.com/2009/11/30/arts/design/30zmijewski.html?_r=3 Wenn man sich die markanten Werke der Biennale einmal anschaut ist es doch alles nur Fassade, zumindest wenn man sich den politischen Motivationsfaktor vor Augen führt. Visualisierungen von Querfrontstrategien in alle möglichen Richtungen werden Angedeutet, die Überidentifikation als Maßstab gesetzt!

Jael Bartana´s werk – JRmiP  

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http://www.jrmip.org/?page_id=5
http://www.berlinbiennale.de/blog/events/and-europe-will-be-stunned-ein-kongress-von-jrmip-und-yael-bartana
KMB (Kunstmagazin 12/03 - Interview mit Jael Bartana) 

Kritik zu zentralen Themen der jüdischen Siedlungspolitik wird ignoriert, es wird zwar gelegentlich kurz eine Ablehnung gegenüber israelisch, nationalistischer Positionen hinsichtlich Palästina, als „einzig wahren zionistischem Traum“ erwähnt, und auch ein „antirassistisches Statement“ pro Palästina abgegeben, aber das ist eben nicht mehr als das mindeste was man von einer liberalen und aufgeklärten Person im Westen ja schließlich voraus setzt. Jedoch fehlt hier eine Distanzierung von nationalistischen Bestrebungen generell.  Weder die aktuelle Politik noch die Ursachen der strukturell-rassistischen Politik der israelischen Regierung(en) werden thematisiert, geschweige denn künstlerisch aufgearbeitet. Stattdessen wird mit viel ästhetischem Pathos eine Re-nationalisierung betrieben und sich der visuellen Reize vergangener zionistischer Träume bedient. Der Zionismus ist die Bezeichnung, nationalistischer Bestrebungen des Hebräischen Volkes und ist treibende Kraft in der unmenschlichen Siedlungs-, Grenz- und Wasserpolitik die seit Jahrzehnten durch die diversen israelischen Regierungen betrieben wird. Im Diskurs des „Jewish Renaissance Movement in Poland“ (JRMiP – Bewegung Jüdischer Wiedergeburt in Polen) kommen diese Problematiken nicht real vor, weil nur am Rande erwähnt. Meiner Meinung nach lenkt das Werk von Bartana mehr von der politischen Realität jüdischer Migration (und der Lösung der Probleme in Israel) ab, als dass sie diese wirklich erfasst und beeinflusst. Was ja schließlich die Grundmaxime dieser Biennale in Berlin darstellen, durch Kunst politische Veränderungen dort zu generieren, wo schwelende Konfliktherde bestehen. Mit dieser Arbeit wird der Fokus von ebendiesem, expliziten Konfliktherd (in Israel/Palästina) nach woanders, nämlich einem „Land bekannt aus Träumen“ (Polen) verschoben. Dies kann leider nicht zur Lösung des Konflikts, im verheißenen Land beitragen.

Es wird (erneut) ein Zustand der ewigen Diaspora erzeugt, der an der aktuellen politischen Lage vorbeigeht, ohne wirklichen Bezug auf das vermeintliche Ende der Diaspora, durch die Gründung Israels zu nehmen. Es wird ein Bild erzeugt, das mehr mit Wunschdenken als mit realpolitischer Intervention der Kunst in die Politik zu tun hat. Wie sehr die Aktion von der eigentlichen Debatte ablenkt kann man daran sehen, dass von Zionistischer Seite behauptet wird Bartana würde mit ihrer Arbeit die israelische Staatspolitik untergraben und die hebräische Gesellschaft in einen Zeitraum vor der Gründung des Staates versetzen. (als Referenz siehe: http://lizaswelt.net/2012/04/06/bewegungskunst-ii/) Also auch wieder eine querfronttheoretische Herangehensweise (ohne sie zu realisieren) die man als „links“ vermarkten kann!

Die Arbeit bezieht sich nicht auf die Realität der Israelischen Regierung(en), als Täter im verheißenen Land (Siedlungspolitik, struktureller Rassismus im Zweiklassenstaat), sondern beschwört die ewige Formel der, in Diaspora lebenden Hebräer als Opfer, der Vertriebenen, der Ungewollten, die jetzt die Vergangenheit zurückfordern, vom Denkmuster her Reaktionär, aber sehr medial einsetzbar.  Auch hier wird mit einer (Querfront-)Ästhetik gespielt die paramilitärische, uniformistische Züge hat, angeblich als eine Parodie auf den Zionismus und die (über Jahrzehnte forcierte Migrationspolitik) unterstützt die eine Volksgemeinschaft den anderen in der Region lebenden Volksgemeinschaften einfach überordnet.

Occupy -Bewegung
Die Versprechung den Raum der KW für die Occupy Bewegung zugänglich zu machen ist schon ein experimenteller Schritt in Richtung Partizipation, jedoch ist es fraglich dass dies so ohne Regelungen und Kontrollmechanismen passieren wird, wie es anfangs angekündigt wurde. Das Ergebnis steht offen. Sicher ist jedoch, dass eine Institutionalisierung der Bewegung; einen zahnlosen Tiger auch noch zähmen würde und lediglich dazu dient,  in voyeuristischer Manier, einem kalkulierbaren Experiment beim sich entwickeln, zuzusehen.

Zmjiewski´s Panoptikum – der Revolutionszoo
Dieses Format entspricht denen der Realityshow´s im Fernsehen und ist nichts weiter, als eine Serialisierung (Biennalisierung) einer Protestbewegung. Eine zur Schau Stellung aktivistischer Methodologien, wird mit ein paar ästhetischen Aufmachern verziert, auf kulturellem Terrain präsentiert  und fertig ist das Kunstwerk. Das Ding wird automatisch, durch gezielte Stimulierungen des Voyeuristischen in jedem Einzelnen, jedoch als massenmedial wirksames eine breite Linie der Bevölkerung ansprechendes Kunstexperiment, zu einem Werkzeug der Manipulation im Sinne des „yes we can“ Slogans, werden. Mit diesem wird suggeriert, dass durch die elitäre Auffassung von Kunst, wirkliche, dynamische Politik betrieben werden kann. Ich denke die Ausrichtenden unterliegen dem Trugschluss der dualen Konnektivität, was schwer wiegt, sprich sie folgern aus der Tatsache, dass künstlerische Impulse (oder besser gesagt: ästhetische Impulse von Künstler_innen) auf aktivistischem Terrain meist konstruktiv zur Bewegung beitragen, dass es zwangsläufig umgekehrt sein muss und die museale Ausstellung von Aktivist_innen  bei der Arbeit, automatisch ein politischer Erfolg werden wird. Ich bin mir dessen nicht sicher, es erscheint erzwungen! Das Big-Brother Spielchen im künstlerisch, aktivistischen Format unterstützt und finanziert durch die Bundeskulturstiftung und Multinationale Kulturfonds. Na dann: venceremos!!!

Unterstützung von Bewegungen wie die zur Finanzierung der Restauration des Nürnberger Parteitagsgeländes
Diese Finanzierung zur Restauration des Joy-Tempels der Nazis könnte man sich im „Namen der Mahnung“  ja wegen mir geben, wenn denn Geld in den öffentlichen Kassen vorhanden wäre. 
Aber um ein „Shithouse“ Mauerwerk, bei dem noch nicht einmal die eigenen faschistischen  Erbauer Wert darauf legten, ob es denn auch ordentlich gebaut ist, Grund zu sanieren, damit man das Ausmaß des Wahns und pathetischer Überidentifizierung dokumentiert bekommt, finde ich es echt zu teuer, aufwendig, und am falschen Ende investiert. Zukunftsgewandtheit hieß die Devise beim Palast der Republik, heute gibt man sich wieder retro?!
Naja, bei Retro fällt mir auch die reaktionäre Seite der Vertriebenenverbände (die von Zmijewski auch mitbedient werden (müssen)!) ein, die zweifellos mit in die Trommeln Bartanas einstimmen können , …. Die wollen auch zurück in die “alte“ Heimat … dummerweise (für sie!) heißt die jetzt aber Polen!

Art-wiki
Das Art-wiki von Pit Schultz ist auch Modell eines träumerischen Aktivismus, hier wird ein Netzwerk zusammengestellt aller Künstler, die sich selbst politische Positionen und Manifeste auferlegen und sich im politischen Spektrum (abgesteckt von den Kuratoren natürlich siehe [Kap.X konzept-bewerbung]) positionieren. Pit Schulz ist keine böse Absicht zu unterstellen, aber er deutet eine gewisse Naivität, dem Datensammeln gegenüber, selbst an. Wo er zwar zugibt, dass dieses Tool natürlich die Interessen eines jeden Dienstes wecken würden, aber in diesem Fall ja nur für den Kampf für das“ Gute“ verwendet wird.
(minute 2:33 http://www.berlinbiennale.de/blog/projekte/open-call-artwiki-digitaler-ausstellungsort-der-7-berlin-biennale-fur-zeitgenossische-kunst-18341)
Ich erinnere mich nur wie krampfhaft während der aktivistischen Aktionen um den G8 Gipfel in Heiligendamm die Infos und Daten der Aktivisten gelöscht, Brücken zerstört und Zugangscodes zu Tunneln nur mündlich übergeben, wurden. Jeder Versuch Daten zu sammeln wäre mit Expulsion aus dem Camp geendet. Da erscheint der nüchterne, aber nicht weniger blauäugige Versuch von Schultz geradezu als Parodie! 
Außerdem habe ich persönlich feststellen müssen dass der Zugang zum Art-Wiki doch sehr exklusiv ist, einzelne vertretene politische Positionen wie zum Beispiel die des „poetischen Terrorismus“ werden nicht in die Kategorie der politischen Positionen aufgenommen, somit werden „exotische“ Positionen ausgegrenzt und nicht der Bandbreite zugänglich gemacht ( man kommt nur noch über den Namen, und dann auch nur meinen Privaten, nicht über den der Gruppe: BfapT in die Rubrik). Dies sehe ich als angewandte Praxis sehr kritisch und stark diskriminatorisch. 

Deutschland schafft es ab
Die Annahmen unsererseits stammen aus, Zusammensetzungen von Recherchestücken und einem (Anti-)Interview mit Martin Zet, das wir in mehrstündiger, informeller Runde Mitte März,  inkognito in einem Café in Mitte hielten. Es wird hier (bei der Handhabung des Skandals um die Arbeit Zet´s) bewusst auf mehreren Ebenen mit dem Künstler manipulativ gespielt und umgegangen, wie es für  „politisch korrekte“ agierende Kuratoren einfach nicht der Fall sein sollte Aber dazu: näheres siehe weiter unten!
Letztendlich lässt sich festhalten dass der ganze Hype nur Wasser auf rechte Mühlen war und letztendlich nur zur weiteren Profilierung des Buches, des Demagogen Sarrazin gedient hat. Die eigentliche Intention des Künstlers, nämlich den Rassismus in Deutschland zu thematisieren ist vollkommen umgeleitet worden in eine Debatte über mediale Strategien der National-Sozialisten (Bücherverbrennung, natürlich ohne jegliche Intention des Volkshauptkurators!).
Struktureller Rassismus ist kein Thema mehr. Der immer noch massiv vertuschte Mord an Oury Yalloh wird nicht untersucht und zu den Justiz- und Polizeiskandalen im Kontext des Todes des Mitbürgers schwarzer Hautfarbe, … kein Kommentar. Die, strukturell durch den Verfassungsschutz geförderte, Untergrundstruktur eines „nationalen Widerstandes“ und ignoranter (oder bewusster?) Weise von den ermittelnden Behörden über 1 (!) Jahrzehnt fehlgeleiteten Untersuchungen werden nicht auf die Tagesordnung politisch-aktivistischer Kunst  gesetzt. Stattdessen wird unsinnigerweise über Bücherverbrennung gesprochen, die Sarrazins Thesen als Opfer linker Hetze dargestellt und der Künstler mundtot gemacht - auf Druck von ganz oben!
Herrliche Freiheit aktivistischer Kunst.
Erstaunlich ist auch die Zeitgleichheit mit parallelen Diskussionen und irreführenden Querfrontdiskursen, welche, durch die altbekannte Demagogie eines Journaille Papstes Götz Aly befeuert uns weiß machen wollen, dass die „Nationalen Sozialisten“ (wie die reaktionäre Urheberin Erika Steinbach sie am liebsten bezeichnen mag) eine linke Bewegung gewesen wären, da fällt einem nur noch mal wieder der Liebermann Max mit seinem zwar wenig appetitlichen, aber höchst realistischem Statement ein! Zur Manipulation des Künstlers wird weiter unten detailliert Stellung genommen, und auf den Plan getreten!

Pussy Riot
Sie sind die wohl derzeit am meisten wahrgenommenen Kunstaktivist_innen in Russland und drei ihrer Mitglieder sind seit Februar inhaftiert. Ihnen wird Vandalismus vorgeworfen, weil sie ein Video ins Netz gestellt haben wo sie in der Kirche des „Heiligen Erlösers“ eine Performance darbieten, die mit einem Punklied unterlegt ist, in dem die Muttergottes angebetet wird, sie möge doch bitte Russland von Putin befreien. Nicht nur die einflussreiche orthodoxe Kirche forderte Strafe und der Putin Apparat handelte unverzüglich und nahm die Protagonistinnen fest.
Mit dieser Aktion haben Pussy Riot etwas erreich was vorher kein Künstler, noch Aktivist in diesem Land geschafft hat, nämlich die Kirche zu dividieren. In eine liberale Gruppe, die behauptet die Performance sei wohl als kritisch (Kritik) anzusehen, jedoch  könne nicht eine solche drakonische Strafe (bis zu sieben Jahren Haft) die Antwort von Kirche und Justiz sein. Und in die fundamentale orthodoxe Kirche die solche „Gottes- und Vaterlandsfrevler“ am liebsten exekutiert sähe und konsequenterweise die Höchststrafe fordern. Selbst Avdej Ter Origanian mit seiner Aktion der Malträtierung von Ikonen (1999), konnte keine Ruptur im unerschütterlichen Torso der Ost-Kirche erreichen.
Wir haben mehrmals versucht die Verantwortlichen der BB7 zu überzeugen, daß man sich für die Freilassung der Künstlerinnen einsetzte, aber Fehlanzeige. Die Antwort war vollkommene Ignoranz dem Sachverhalt gegenüber. Der Konflikt innerhalb der Voina Gruppe (Nadja Tolonnikova von PR, ex Voina) hält offensichtlich bis in unsere Tage an. Hier ist endlich mal eine Aktivistengruppe die es schafft, mit friedlichen Mitteln in dem Land eine tiefgreifende gesellschaftliche Diskussion auszulösen und deren Mitglieder werden eben hierfür verhaftet und die, den politischen Gefangenen verschriebenen Voina-Truppe gibt keinen Muchs von sich! Diese Tatsache lässt mich noch viel mehr, als alle anderen, die wahre Gesinnung der Leute hinter dem Schleier sehen. Erst nach dem 25. März als die „Vereinigung Solidarität mit politischen Gefangenen (SSP)“ die Frauen als politische Gefangene anerkannte, haben sowohl Voina als auch Plutser-Sarno auf ihren blogs eine Solibekundung geposted – gezwungenermaßen sozusagen!
Bis heute ist kein Statement von Seiten der Biennale-Kuratoren hierzu gefallen! Anonyme Punkrockfrauenkollektive zählen nun mal nicht zum elitären Kreis von Zmjiewski´s Kunstaktivistenavantgarde.

Kooperationspartner / Sponsoring
http://www.berlinbiennale.de/blog/7-biennale/unterstutzung 

ok  -  ein paar Kulturinstitutionen von den neoliberalen Regierungen der entsprechenden Länder geleitet - und ein paar, Transnationalen zugehörige Kulturstiftungen, haben welches genaue Interesse an der kulturellen r-evolution?
The fuckin souspicous like every time ……… Böll lässt grüssen …  
Es ist zu vermuten, daß auch hier ähnliche Interessen hinter der Vereinnahmung der aktivistischen Kunst stehen.  Aktivistische Künstler sind wichtig im Kampf um Bilder und Mythen und seit Jahren im Fokus der Dienste und Geostrategen.
http://www.arte.tv/de/1392426.html
Woher die Grundfinanzierung der digitalen/aktivistischen Revolutionäre des angehenden zweiten Jahrzehnts (des neuen Jahrtausends) stammt ist mittlerweile schon bekannt. Es gibt internationale Schulungsstrukturen für zivile Aufstände, deren Wurzelorganisation in Serbien im (gerechtfertigten) Kampf gegen das Milosevic-Regime gegründet wurde:

Otpor   

alt
UnitedStates-Serbia-Egypt-Jemen-Venezuela
http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=5ifKyciJMcc

diese Gruppe ist in über 30 Ländern aktiv und entwirft und unterstützt Netzwerke zivilen Ungehorsams professionell mit Knowhow, Logistik, und Schulungen in verschieden Techniken und Methodologien:  von Mobilisation für Demonstrationen, Agitations- und Deeskalationstheorien, über  Schmuggel bis hin zu Kommunikationsnetzwerken. Sie hat maßgeblich in den medialen Kampagnen des „Arabischen Frühling“ in Ägypten, Tunesien,  Jemen und anderen arabischen Ländern beigetragen. Die Anschubfinanzierung und Aufrechterhaltung der Projekte wurde und wird durch die amerikanischen Dienste kontrolliert, über diverse Stiftungen der amerikanischen Parteien und Stiftungen aus der Industrie wie Ford-Stiftung und Soros-Stiftung. Auch werden einige Strukturen der Indignados in Europa und einige der wichtigsten Occupy-Bewegungen direkt oder indirekt von den gleichen Akteuren gefördert und finanziert. Diese Strukturen einer sog. Kulturförderung im hegemonialen Einzugsbereich reicht sichtlich bis in die Grundsubstanz dieser Biennale hinein, so dass ich mich nicht oft genug fragen kann, wo denn das Interesse einer Einverleibung der aktivistischen Kunst in den gängigen Mainstream- Kunstdiskurs liegt?!

Polaris International:  Vorgeschichte
"Only with the existence of Art along with a set of “middle class” cultural values attached to it can we improve our cities faster than ever. Have you seen how quickly a city quarter famous for its cultural vibrancy becomes all new and friendly? You should not look far: New York, London & Berlin are just a few examples. Here we must emphasize our commitment to work internationally, but with a distinctly European agenda. POLARIS INTERNATIONAL Limited is a 'not so real' company, which is exploring the negatives of art through their exaggeration and social interactions through social networks like Wordpress, Twitter, Facebook and mailings"
Dies ist das Grundstatement von POLARIS, nachzulesen auf der Website: http://polarisinternational.wordpress.com

What the shit is this??????? 
alt
http://www.berlinbiennale.de/blog/en/projects/a-gentrification-program-by-institute-for-human-activities-23006 ??????????????????????????????????? _ 1 

Fallschirmspringer kommen meist von oben!
Ich habe im Zuge der Recherche zur BB7 natürlich von Anfang an Polaris im Auge gehabt und mich gewundert wer denn so viel gesammelten Bullshit in die Welt setzt. Sprich ich habe den Köder geschluckt, da er ja auch schon als angewandter Trojaner innerhalb der Biennalepage auf der Liste der Kooperationspartner auftauchte. Ersten Verdacht schöpfte ich als diese Kooperation von einen auf den anderen Tag gelöscht wurde. Ich versuchte mich im Umfeld und bei Kollegen schlau zu machen doch außer ein paar Facebook Freunden eines gewissen Nicholas Bourriaud war nichst in Erfahrung zu bringen, kein Mensch wusste wer dahintersteckt. Dann als  die bekloppten Rundmails von Polaris in Paradoxien versinkend immer absurder wurden, dämmerte mir so langsam dass es sich um einen Fake handeln musste. Die „enlarge your penis“ Mail gab dann die Gewissheit! Nichtsdestotrotz war der/ die Urheber(in) nicht ausfindig zu machen.
Bis plötzlich eine Mail an die Projektgruppe „Metanationale“ reinkam, gerichtet an die Gruppe zwecks einer Kooperation zur Bearbeitung des Rassismus und rassistischer Strukturen innerhalb der Gesellschaft mit Fokus auf den Kunstbetrieb. Beiläufig erwähnte der Absender sein derzeitiges Projekt:  Polaris als Referenz seiner Arbeit. Ich war natürlich vollkommen aus dem Häuschen und bot ein erstes Treffen an, nachdem klar war dass wir zusammen arbeiten würden. 

Konzept – Bewerbung
Aufruf politische Kunst (alle pol. Richtungen)
Anfangs kam es mir doch befremdlich vor, dass beim Aufruf zur Biennale explizit alle politischen Richtungen erwünscht waren. Wie hier in einer Einladung der Kuratoren an die Kollegen von der „Alytus Biennale“ wo auch explizit nach nationalistischen und rechtsextremen Tendenzen in der Kunst angefragt wird. Die Intention mit diesen Positionen provokative Reaktionen hervorzurufen, wird dann bei näherer Betrachtung mehr als sichtbar und erscheint in der Arbeitsmethodik Zmjiewski´s nur logisch!

“[…] 7 Berlin Biennale / Political Shift (working title)  7 Berlin Biennale is commissioning artists not for art projects but for a political shift. It is supporting the political awareness, the visible social impact, art-driven strategies within the politics and it aims at a substantial and symbolic effect. 7 Berlin Biennale is a call to the art field to become politically responsible, to self-empower the sector, to question its consensuality, decorum and leftist skepticism, and to stand along with the present social and protests and occupation movements. An exhibition together with a series of performative projects during 9 weeks will be also an attempt to include and confront the diverse stands such as nationalist art, right-wing art, church art, green-art, unprivileged art, pedagogic art and others. 7 Berlin Biennale also uses its visibility and its means to make the biennale politicaly and not again about politics. 7 Berlin Biennale is curated by Artur Żmijewski The associate curator is Joanna Warsza www.kw-berlin.de www.berlinbiennale.de“ […]

http://alytusbiennial.com/news/477-open-address-to-the-curators-of-berlin-biennial-2012-due-to-commissioning-alytus-biennial-and-damtp.html
(das war noch vor der Nominierung unserer „sturm und drang“ kollegen!(voina) 

Das OKK vertritt nach wie vor die Ansicht, dass die Annäherung und Kooperation mit nationalistischen und faschistischen Gruppen und Vereinen, von vorneherein ausgeschlossen bleiben muss. Keine Allianzen mit und keine Plattformen für Rechte(n)! 

Zmijewski (kuratorische Arbeit / Hintergründe)
Beim Betrachten von Zmijewski´s Werk neigt man dazu, dem Künstler einen Hang zum Pathologischen zuzusprechen, jedoch macht man automatisch den Fehler die pathologischen Ansätze beim Künstler/Kurator zu suchen, nein wer die Sache intensiv betrachtet, muss merken dass die Patienten wir (die Rezipienten) sind. Einige Arbeiten sind nicht nur grenzwertig im Geschmack, über den sich bekanntlich vortrefflich streiten lässt und den ich hier außen vor lassen möchte. Es geht vielmehr, um die wirklichen analytischen Geschichten bei seinen Herangehensweisen. Zmijewski  provoziert  gezielt durch das Herstellen von Paradoxien (Doppelbindungstheorie), eine Technik die bekannt ist aus den“ Mind Control“ Experimenten des Pentagon, aus der höchst umstrittenen MKUltra-Reihe, zur Manipulation von ([a]politischen) Massen. Er setzt ganz bewusst gefälschte Metakommunikation („falsified metacomunication“)ein, also die gezielte Abfolge von positiven und negativen Impulsen und Informationen und dies führt zur automatischen Enttäuschung des Rezipienten oder „Partizipanten“ (z.B. im Falle instrumentalisierter Künstler).  Schön zu betrachten ist dies beim Werk „Them“ das übrigens auch von eingefleischten Zmijewski-Kritikern als interessant und gut bezeichnet wird, jedoch auf einer ganz einfachen (Massen)psychologischen Technik basiert. Da unterscheidet sich der Mensch nicht viel vom Tier, wenn er Zoologisiert wird und mit kriegspsychologischen Methoden bombardiert wird!  

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[…] eine ehemalige Gaskammer der Nazis, wo sich die Spuren des tödlichen Gases in die Wände geätzt haben – spielt eine Gruppe von unbekleideten Frauen und Männern verschiedenen Alters Fangen. Das Spiel, das etwas beklommen beginnt, erhält im Verlauf des Films eine Eigendynamik, die zwischen Aggressivität, Zurückhaltung und Ausgelassenheit changiert. Die Umdeutung des Orts im Zuge der Aneignung generiert auch hier wieder ein kathartisches Moment. […]
(http://www.artnet.de/magazine/der-documentakunstler-artur-zmijewski/)

Massenpsychologe Zmjiewski ist der Kreator kognitiver Dissonanz für´s Volk, der Magier, dem Macht zuteilwurde, um in seinem Bannkreis die babylonische Zerstreuung von (Bild)Sprache voranzutreiben, auf dass es keiner Aktivistin mehr gelänge jemals eine glaubhafte Revolution zu proklamieren.
http://de.wikipedia.org/wiki/Sensitivierung 

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>• D •  Biennale Aufruf  von Matin Zet: „Deutschland schafft es ab“ ( Sarrazin Buch) 

„Wer den Unterschied zwischen "Wir verbrennen Bücher von Menschen, die nicht in unser rassisches Weltbild passen und irgendwann verbrennen wir auch die Menschen, die nicht in unser rassisches Weltbild passen"  und  "Hallo Leute, hier dürft ein Buch voller Bullshit abgeben, wir bauen dann daraus was und wenn alles vorbei ist, machen wir neues Papier daraus" nicht verstanden hat, für den dürfte alles zu spät sein ...“ (Leser Kommentar der taz)

Das Erstere die Leute zu denken zu veranlassen war die Intention des Kurators (Aufmerksamkeit für die Biennale / bewusste Anwendung von Querfront-Methodik / Eigeninteresse als Künstler und Kurator an der Provokation und kontroversen Polarisierung). Das zweite zu denken und es nicht so ausdrücken  zu können, war der Fehler des instrumentalisierten Künstlers.
Ich weiß, dass der Künstler nicht über genügend Deutschkenntnisse verfügt, um die Anwendung des Begriffs: „Buch-Sammel-Aktion“ für den Aufruf zu seiner Kunstaktion freigeben zu können (bzw. stoppen zu können!). Es ist auf dem Mist der Kuratoren gewachsen exakt diesen Begriff zu wählen und ich wage, nach allem was ich hier zusammengetragen habe schwer  zu bezweifeln, dass sie nicht wussten was sie damit auslösen würden, auch wenn Zmijewski das in seinen Interviews im Umfeld des Skandals so weismachen wollte. Als ich den Aufruf am Tag des Posts sah, hielt ich mich mit den Händen am Kopf  und mir war schlagartig klar was kommen würde, der sich von selbst ankündigende Shitstorm ließ natürlich auch nicht lange auf sich warten. Auch hier ist wiedermal ein gezielter Einsatz kognitiver Dissonanz auszumachen. Durch die Publikation des SA Begriffs ‚Buchsammelaktion‘ wurde eine zwangsläufige Assoziations-Lunte mit der Bücherverbrennung gelegt und gezündet. Diese Auswirkungen wohl in Heftigkeit und Ausmaß vom Kurator unterschätzt, wie man an seinem verunsicherten Gesichtsausdruck (the day after)ausmachen konnte, waren ganz bestimmt nicht unvorhersehbar und unbeabsichtigt.  Das Paradoxon durch historische faschistische Bildnisse, heutige Auswüchse eines lange verborgen gebliebenen Rassismus, bekämpfen zu wollen deutet auf eine pathologische Herangehensweise an gesellschaftliche Phänomene hin. Zmijewski versucht sich hier als Volkspsychologe und schon bei der Diagnose des Patienten liegt er gehörig daneben, denn längst nicht alle sind auf seine massenmanipulative Querfrontfalle hereingefallen. Zmijewski ist hiernach entlarvt als ein geltungssüchtiger Hohepriester des Spektakels, der mit Ideologien und Symbolik handelt, sein großer Einsatz im Kunstmarkt ist das Humankapital aus dem er, im Trog voller Unterwürfiger, aus den vollen schöpfen kann.

Polemik / Aufmerksamkeit / Medialer Impact (Inszenierung)
Ein klarer Fall von Instrumentalisierung „politisch motivierter“ Kunst zur Polarisierung innerhalb der Kulturgesellschaft. Es wird viel Spektakel produziert um politische Symbole - und wenig tiefgreifender Inhalt, der die Blind Points der Gesellschaft aus einer radikalen Sicht betrachtet. Hierbei ist eine reale Interessendivergenz beim Künstler-Kurator Verhältnis festzustellen. Die ökonomischen Realitäten beider Aktanten sind Grund auf verschieden.  

Politischer Diskurs vs. Spektakel
Die eigentliche Diskussion ist ja vollends untergegangen im Trubel um Martin Zet´s Arbeit, nämlich die über den Rassismus in Deutschland. Latenter Antisemitismus / Antiislamismus beherrscht durch und durch die Gesellschaften Europas und eine neue Rechte ist auf dem Vormarsch. 
Die provozierte Diskussion dreht sich nur noch um eine Skandalisierung, nämlich über eine Thematik der Anwendung (vergangener?) rassistischer Praktiken und nicht mehr um real existierenden Rassismus in Europa. Eine Ablenkung mithilfe von Querfront Methodik (Verwendung des Begriffs der SA: Buchsammelaktion) von eigentlichen diskussions- und aktionsbedürftigen Geschehnissen, wie die Gerichtsverhandlungen um den Fall Oury Jalloh, den rechtsextremen Terror der Zwickauer Zelle, und vielen institutionalisierten, rassistischen Verbrechen an den Menschen, die in diesem Land leben.

alt

Primäres Interesse / Fokussierung
Worin liegt das Interesse des Hauptkurators? Der Begriff „Spektakel“ nach Debord´s Abhandlung ist das, was meiner Meinung nach am besten auf die analysierte kuratorische Arbeit zutrifft. Es geht um einen Karrierismus in der Kunst, den man jetzt offensichtlich auch ohne Geld und den Verkauf von Kunstwerken starten kann. Revolution ist nicht erst seit occupy chik! Hier wird eine pseudo-subversive Kulisse aufgebaut, dem Ganzen eine Art linken Touch eingehaucht und schon hat man politische Aktivistische Kunst, ohne wirklich tiefgreifende politische Inhalte mitliefern zu müssen. Z. Fokussierung liegt eindeutig auf der Profilierung der eigenen polemischen Figur (Z.)

Instrumentalisierung
Zu diesem Zweck werden die Kunst, die Künstler und die politischen Intentionen von Kreativen und Aktivisten schamlos instrumentalisiert, neben vielem Hype und Thrash gibt es ja auch eine Reihe sehr wertvoller Positionen, die allerdings bei dem ganzen Trubel um das angeblich Politische untergehen und nicht wirklich ihre Wirkung entfalten können:  Ich denke da zum Beispiel an die Palästina -Postkarten von Khaled Jarrar, ( wobei die nationalistische Position adversativ daherkommt – ein „Mikronesien –Palästina“, so wie die derzeitigen „Autonomiegebiete“ bestehen, ist nicht akzeptabel, der Staat Israel steht ebenso nicht zur Disposition, also kann nur eine Doppelstaatliche Lösung, also der demokratische Konsens gefunden werden, der strukturell von den „demokratischen westlichen Staaten“ auf allen Ebenen über Jahrzehnte torpediert wurde (wird). Wenn wir jetzt Alle die „Generationsvorurteile“  vergessen, müssen wir uns einig darüber sein, dass die fundamentalistischen, monotheistischen Religionen und die dazugehörigen politischen Ideologien, und ihren ausführenden Organe, sich nicht produktiv für eine demokratische, pluralistische Gesellschaft im Nahen Osten eingesetzt haben.) 
Oder die Arbeit von Marina Naprushkina.

Der Fall mit dem wir uns am meisten beschäftigt haben ist der Fall Martin Zet wo man die Instrumentalisierung recht gut erkennen kann auch ohne tiefe Kenntnis der Betriebssysteme in der Kunst.
Hier wird angefangen mit einer klaren Übergehung von Primärinteressen - sprich klare Aussprache der Konzeptideen und Umsetzung der Arbeit mit dem Künstler. Zu beobachten ist das Überstülpen von Begrifflichkeiten die (oder dessen Zusammenhänge) dem Künstler fremd sind, mit dem klaren Ziel der Provokation des Publikums. Dann kommt der Skandal und keiner zeigt Verantwortung für den geleisteten Schlammassel, der Künstler muss das ausbaden was vom Kurator und seinen Vasallen komplett verbockt wurde. Zum Dank implementiert man eine Sperre des Mitspracherecht des Künstlers, indem man Experten einlädt um öffentlich Stellung zur polemischen Debatte zu nehmen, lädt jedoch den Künstler nicht dazu ein, also eine klare Bevormundung und Exklusion des Urhebers von öffentlichen Events.

Morddrohungen und andere Arbeitsverhältnisse 
Dass Zet (Mitte März) weder einen Arbeitsvertrag mit der Biennale hatte, noch irgendwelche Zusagen des Kurators zur Weiterführung des Projekts gegeben waren sollte nicht an die Öffentlichkeit gelangen, meiner Position als Gewerkschafter jedoch schulde ich eine klare Positionierung und Aussage diesem Sachverhalt gegenüber. Die Arbeit des Künstlers wird vereinnahmt zur Herstellung von Polemik (zum medialen  Auftakt der Biennale), Rechte Kreise sehen sich bedroht und kontern Ihrerseits mit Überhäufung des Künstlers mit Morddrohungen, so dass dieser, e-mail und Telefon nicht mehr benutzen kann. Er muss sich verstecken und sich in Berlin inkognito oder in Begleitung bewegen. Keine vertragliche Absicherung des Künstlers und die Verhältnisse in die man ihn hineinmanövriert hat, bedürften meiner Meinung nach einer juristischen Aufarbeitung des Geschehenen.

Konsequenzen
Aufruf zur Stellungnahme
Die Frage die sich stellt, ist natürlich die nach den Konsequenzen all dieser Sachverhalte und die nach einer Positionierung aktivistischer Künstler_innen zu diesen verschieden Facetten der Verzerrung und Spektakularisierung Aktivistischer Kunst. Die Idee ist es nach der Publikation dieser Recherche die Kuratoren zur Stellungnahme aufzufordern. Vermutlich wird es aber kein wirkliches Statement geben, ich nehme an, dass wenn es eine Antwort geben wird diese ähnlich dünn ausfallen wird wie der Versuch den Voinas ein paar politische Statements abzuringen.
Über einen Boykottaufruf haben wir auch schon nachgedacht, jedoch haben wir schnell entschieden, dass wir uns nicht auf das Voina-Level vom letzten Jahr herunterbegeben werden. Ein Boykottaufruf ist weder effizient noch als Dialog zu verstehen. Dies ist jedoch das, was von OKK und Kolleg_innen nach wie vor angestrebt wird.



ANNEXE:  

Fragenkatalog von Otto Karl Kamal an Voina:

(Otto Karl Kamal): Could you introduce us to the ways, concerns and strategies which made Voina curate the coming Berlin Biennale? For me they seem rather contradictory practices, those of pranking on the streets (I mean actions like the bridge-phallus) and the curatorship of such an establishment event in Berlin. Could you introduce us to your current relationship to the art world? You have battled the „mainstream“ and the market in the past, and in this time have become the co-curators of one of the biggest art shows around the world – of the one in the „new art capital“ Berlin. Is it not a way of acting as a chameleon, when one starts out as an anarchist street activist and ends up a curator of, let us say, capitalist art biennale? The opposition to the biennale as an introducer of gentrification schemes has been felt in Berlin as in other places in the past, is your part in such a project a way of skomorokh harlequins you describe in the declaration of your previous aims and objectives?

(Alexei Plutser-Sarno): Artur Zmijewski invited Voina to be associate curators of the 7th Berlin Biennale. What he did was a symbolic support action of Voina activists, who live in St. Petersburg in the situation of shadowing, arrests, assaults and batteries by police. By this gesture he tried to protect us from cop’s arbitrariness. Artur knows that in 2010 Russian corrupted cops illegally confiscated IDs from Oleg Vorotnikov and Natalia Sokol, so they are not able to leave the country and participate in the Biennale. Other Voina activists who are now in Europe won’t participate in commercial events of the Berlin Biennale. Artur declared from the beginning that he doesn’t expect Voina to be curators in a traditional meaning of this word. Oleg and Natalia keep on preparing new actions in St. Petersburg and do not plan to do anything in Berlin. But we are grateful to Artur for his timely solidarity gesture.

(Otto Karl Kamal):  What is your opinion about the scandal that Martin Zet's work produced? Would you recognize as legitimate the burning of the art books, granted it attracted media attention?  

(Alexei Plutser-Sarno): We prefer to burn instruments of repressions as it was in the action titled "Cop's auto-da-fe, or Fucking Prometheus". Voina activist climbed over the fence to the yard of the police station No.71 in St. Petersburg to hold an auto-da-fe for a police prisoner transport truck. The prison-on-wheels was set on fire with Molotov cocktails and totally burned down. Oleg Vorotnikov, Leonid Nikolayev, Natalia Sokol and other activists took part in the action. Cops didn't succeed in arresting any of them. After this action I made a statement: "Dear Russians, this action is a modest gift to all of you from the Voina Group. It's a gift to all political prisoners of Russia: Philip Kostenko, Sergei Udaltsov, Taisia Osipova, Sergei Mokhnatkin, Vladimir Bukovsky and many others. We dedicate this action to the deceased heroic political prisoners Sergei Magnitsky, Anatoly Marchenko, Kronid Lyubarsky, Alexander Ginzburg, Andrei Sinyavsky, Yuri Galanskov, Yuli Daniel. Let's destroy all prisons! Freedom to all political prisoners! Feds don't fuck us - we fuck feds! Happy New Year, comrades!" (http://plucer.livejournal.com/531761.html)   

(Otto Karl Kamal): You have shown solidarity with the political prisoners in Russia during the last New Year celebrations. Granted Voina situates itself on political “left”, what should the public read from your support for the political prisoners of both left and right political conviction?  

(Alexei Plutser-Sarno):  We have never helped right-wing radicals and people who are engaged in violations of human rights and freedoms. When Banksy gave $120000 to the group, $20000 was used for bailing off Oleg and Leonid, the rest $100000 is being used for food parcels for political prisoners. 

(Alexei Plutser-Sarno):  We show support to Pussy Riot. You can find all the info in my blog by tag «Группа Пуси»: http://plucer.livejournal.com/tag/%D0%93%D1%80%D1%83%D0%BF%D0%BF%D0%B0%20%D0%9F%D1%83%D1%81%D0%B8  

(Otto Karl Kamal):  Many of the Russian political prisoners you have sent New Year greetings to, belong to the Nazbol (National Bolshevik) Movement, some of the prisoners are closely related to the Eduard Limonov founded Strategy 31 (movement for the civil rights). What would be your take on the mixing of ideologies (left/right)? You claim to be strongly influenced by the Russian futurists, and have mentioned the shift of ideological poles that such a movement brought. Could you please elaborate on this? The movements like National Bolshevism have been occasionally accused of fascist theory and practice. In Germany, there have been a number of alliances which attempted to merge the Nationalist and Socialist ideas into various alliances (some of the prominent figures in this field being Strasser, Niekisch, as well as Italian Futurism). What would be your take on such ideological collages?  

(Alexei Plutser-Sarno): Today activists of the Other Russia are really fighting with authorities’ right-wing radicalism that has taken place in Russia in recent years. But in general their views have nothing in common with German Nazism. None of Voina activists is in Limonov’s party, so you should ask questions about their views to them – not to us: we are not experts in this issue.



 
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